Tag 9 – nüchterner Titel, viel Sightseeing


Auf zu neuen Abenteuern! Auch wenn man sich zum x-ten mal verfährt, einfach positiv bleiben. Vermutlich hätte ich nicht gewusst, dass das Gelände der Universal Studios in Ōsaka so groß ist. Reingekommen sind wir natürlich ohne Ticket nicht. Unser eigentliches Ziel war eine buddhistische Tempelanlage 統国寺 (Tōkokuji) bei der Haltestelle Tennoji. Auf dem Weg dorthin sind wir an einem kleinen Taiyaki Laden vorbeigekommen, welche selbstgemachte Taiyaki mit verschiedenen Füllungen verkauften. Unter anderem die Abart „Ramune Taiyaki“.

Kennende Leser unter euch können sicher erahnen, dass ich mir das Futter geschnappt hab wie ein Smombie das Ladegerät des Handy bei 1% Akkuleistung.

Schon zwei Minuten später sind wir an dem Tempelgelände angekommen und wurden von einer Horde von Menschen und Ständen überrascht. Es war Flohmarkt. Überall verkauften Japaner Plunder und es gab Fressstände en masse. Sogar eine Samurai-Rüstung wurde verkauft. Ein fettes, kleines, japanisches Rummelkind wollte unbedingt noch mehr von dem Essen haben und schrie in quiekender Stimme „HOSHIIIII!!!“ was soviel wie „WILL HABEN!!“ bedeutet. Wir haben auf dem Flohmarkt auch einen merkwürdigen Mann getroffen, der erzählte er sei Professor und schon mal in Deutschland gewesen. Daher wollte er von uns unbedingt 先生 (sensei) genannt werden, was die Ansprache für hohe Respektspersonen wie Lehrer oder Ärzte ist. So sehr ich Hierarchien und Autorität auch mag, ein fremder Typ der angelatscht kommt, wirres Zeug erzählt und respektiert werden will? Yeah, sure. Trotz des Flohmarktes haben wir auch ein bisschen was von der Tempelanlage zu Gesicht bekommen. Da uns das nicht genug war, wollten wir noch einen weiteren Tempel 四天王寺 (Shitennoji) besuchen, der direkt schräg gegenüber angesiedelt war. Als wir also Abschied von dem Flohmarkttempel nehmen wollten, kam eine nette Frau auf uns zu und gab uns die Standkarte für den Flohmarkt. Manchmal ist es wohl besser, wenn man den Haupteingang auch zum Betreten des Geländes nimmt und nicht nur zum Verlassen. Lesson learned. Wir sahen zudem noch einen ECHTEN Buddhisten (warum die Hervorhebung? In Tokyo hab ich einen falschen getroffen, der mich betrügen wollte. Schaut euch den Beitrag One Day in Akiba an), der gerade einen Menschen mit Behinderung weihte. Alex fand die Szene so faszinierend, dass sie ein Foto davon machen wollte. Doch der Mönch blockte diesen Versuch und fegte die Ketzerin mit einer Handbewegung fort. Natürlich nicht physisch, aber man konnte die Abscheu quasi spüren. Arme Alex, aber so wird Respektlosigkeit nun mal begegnet ;P

Also ab zum nächsten Tempel, der ähnlich voll mit Menschen gefüllt war. Hier haben wir allerdings einen sehr guten Zeitpunkt erwischt und konnten einer buddhistischen Zeremonie beiwohnen. Um eintreten zu dürfen, mussten wie üblich erst die Schuhe ausgezogen werden. Schlechter Zeitpunkt um dicke Wanderschuhe mit viel Schnur anzuhaben. Da drinnen nur Tatami ausgelegt war und man die Schuhe draußen nicht hinstellen durfte, konnten wir unsere Schuhe in einem Plastikbeutel verpackt mit in den Raum nehmen. Dort hat ein buddhistischer Mönch (nennt man sie auch Priester?) die Wünsche von Leuten, welche auf Papierkarten standen, in einer schnellen, monotonen und gebetsähnlichen Stimmlage herunterzitiert. Gelegentlich wurde eine Glocke geschlagen. Anwesende Leute, dessen Gebete oder Wünsche vorgelesen wurden, durften für die Dauer direkt hinter dem Mönch Platz nehmen und beteten währenddessen. Was sich schwer beschreiben lässt, war aber eine wirklich eindrucksvolle Zeremonie mit einer sehr andächtigen Atmosphäre. Nach etwa 20 Minuten brachen wir auf. Nachdem meine Schuhe mehrere Male oben aus der Tüte gefallen sind, entschied ich mich für die glorreiche Idee, die Tüte einfach auf die Schuhe zu legen und so zu tun, als wären sie eingepackt. Leider habe ich nicht von Anfang an zwei Tüten mitgenommen. Ökologisch aber besser.

Auf dem Plan stand nun den Ōsaka Aussichtsturm zu besuchen und die Aussicht auf die Stadt zu genießen. Direkt unter dem Turm ist die Wand sehr bunt verziert. 

Gegenüber vom Eingang des Aussichtsturms gibt es ein Takoyaki Stand. Alex hat mich direkt mitgeschleift, um sich was zu holen. Jedenfalls würde ich das gerne behaupten. Da ich selbst noch voller Eifer war, habe ich mir gleich eine große Tüte gekauft … und dann gemerkt, dass es mir absolut nicht schmeckt, yurks. Diese feste und doch gummiartige Konsistenz war mir nix. Bevor mir noch übler wurde, habe ich Alex den Rest gegeben. Nach einer kurzen Verschnaufpause an der frischen Luft wollten wir nun endlich den Turm mit modernen Mitteln (Aufzug) erklimmen. Eine Treppe auf der Straße führt zuerst ins Untergeschoss. Dort gab es einige kleine Läden und eine Schlange von 15 Minuten Wartezeit. Merkwürdig, wieso stand auf dem Schild aber „ab hier 50 Minuten warten“? Nach 15 Minuten waren wir schon am Lift. Gruppenweise wurden wir in den Aufzug gequetscht und oben angekommen … erwartete uns die nächste Schlange. Diese war deutlich länger, führte an einigen Exponaten und Shops vorbei und sogar an zwei sehr aufgeweckten Fotografen.  Alex opferte sich aus Frust bereits dem ominösen Babykönig in der Wand, als wir darauf warteten, dass die Schlange vor uns an den Fotografen vorbei konnte. Als wir an der Reihe waren, fragten sie direkt woher wir kommen. Anschließend einigte man sich, dass Deutschland cool ist, die Frau auch schon in Deutschland war und deutsch lernte – wegen des Bieres, versteht sich.

Nach insgesamt rund 50 Minuten (Respekt an die Schildaufsteller) waren wir endlich beim zweiten Aufzug und konnten in aller Ruhe (und mit etwas Gedränge) die Aussicht auf Ōsaka genießen. Viele Hochhäuser wie man es auch erwartet hat und einige merkwürdig geformte Kunstmuseen waren zu sehen. ESKALATION!!! Nein, nicht erneut mit dem Aufzug, aber ich habe etwas auf der Infotafel gesehen, was mich seitdem nicht mehr ruhig hat schlafen lassen. Spa World! Ein riesiges Erlebnisbad, direkt zu meinen Füßen. Fun Fact: In dem Basement, wo wir auf den ersten Aufzug warten mussten, kamen wir bei der Rückkehr auch wieder an. Dort hattte inzwischen eine Girlband auf der Bühne eine Aufführung gehabt, während wir uns durch die Besucherhorden beider Attraktionen drängten. Ich hab Alex nach unserem Abstieg so lange gedrängelt, dass wir schließlich doch mal beim Spa World vorbei geschaut haben. Die Preise ab 2400 Yen (ca 22 €) für drei Stunden waren dann aber leider ein K.O. Kriterium. Zum einen der Zeit wegen, zum anderen wegen der mottenzerfressenen Geldbörse der Studentin. Den Nachmittag haben wir noch in der Nähe des Towers ausklingen lassen und sind schließlich nach Haus aufgebrochen.

WIEDER VERFAHREN!!! Argh. Ich bin mir nicht mir sicher, ob wir wieder mal nur zu weit gefahren sind, weil wir versehentlich in die falsche Richtung gefahren sind, oder komplett die falsche Richtung gefahren sind. Fies ist vor allem, dass auf den selben Strecken, die selben Bahnen zu völlig unterschiedlichen Orten fahren können. Die Bahn in Ōsaka ist Scheiße. Zumindest, wenn man es mit dem gut für Idioten beschilderten Tokyoter Netz vergleicht. Etwas später als geplant angekommen, ging es zum Waschsalon, um unsere … tja, ihr wisst sicher was man in einem Waschsalon macht. An den Wänden waren Automaten für Waschpulver, Farbfangtücher und anderes. Leider hatten wir kein Gefäß für das Waschmittel, also hab ich die Hand unter den Auswurf gehalten und gewartet bis das Zeug raus kam. Anders als erwartet (auch wenn man es sich hätte denken können) kam das Waschpulver verpackt in einer Plastikkugel. Die Japaner und ihre Vorliebe für Plastikverpackungen. Bis die Wäsche fertig gewaschen und getrocknet war, machten wir es uns in einem „CoCo“ Curryhaus gemütlich. うまあああああああい! Seit dem bin ich großer Fan von CoCo und wir haben auch in Kyoto noch oft eins der Restaurantkette besucht.

またあした!

ロチャー

 

P.S.: Beim Schreiben des Blogeintrags ist mir auf Google Maps aufgefallen, dass ich ein Massagesalon „oliveSPA“ in Osaka für später markiert habe … seltsam …

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