Tag 19 – Die Gang macht Kyoto unsicher


Einen hatten wir noch! Wir mussten noch einen Tempel nachholen, den wir uns für das Ende unserer Reise vorgenommen (bzw. vergessen) hatten. Der Tempel heißt 東福寺 (Tōfuku-ji) und befindet sich im östlichen Teil Kyotos. Gekrönt mit einer eigenen Haltestelle bietet der Tempel zudem einen schönen Garten mit einer alten Holzbrücke, die beide Teile der Tempelanlage miteinander verbindet. Besonders im Herbst sehr schön anzusehen. Der Name leitet sich aus den beiden großen Nara Tempeln „Todai-ji“ und „Kofuku-ji“ ab und repräsentierte damit den „neuen buddhistischen Tempel“ Kyotos. Von der Tradition in die Moderne wechselten wir bei unserem nächsten Stopp. In Kyoto’s Pokémon-Center gabs alles für bekloppte Taschenmonstersammler.

Darunter waren einige sehr verstörende Objekte, wie beispielsweise schockiertes Pikachu oder dumm guckendes Shiggy. Der Preis für das kurioseste Item geht aber eindeutig an das Pokémon-Ohrschaber. Natürlich musste ich mir auch ein Pikachu im Daimyo-Outfit zulegen. Besonders lustig war, dass die Angestellten alle ein unterschiedliches Pokémon mit sich trugen. Trotz dass ich mir bei einem so protzigem Namen wie Pokémon-CENTER ein deutlich größeres Areal vorgestellt habe, gab es dennoch massig Merchandize (wie spätestens an dem Ohrpenetrator zu merken war).

Es wurde Zeit, dem Mittagessen zu frönen und heute musste ich mich einfach durchsetzen. McDonalds und Co-Co Curry verlockten mit ihren Angeboten, doch heute musste es definitiv Khatsu-Dum sein! カツ丼 (Katsudon) ist paniertes Schweinefleisch auf leicht mit Brühe versehenem Reis, welches das deutsche Schnitzel um Längen schlägt. Wer mich kennt weiß, dass ich über Schnitzel keine Scherze mache. Da wir inzwischen in jeder großen Stadt die Aussichtstürme mitgenommen haben (Niigata? Ich sagte GROß!), konnten wir es und auch in Kyoto nicht verkneifen den dortigen Turm via Lift zu besteigen. Hier oben konnten wir uns noch mal all die schönen Sehenswürdigkeiten ansehen, die wir bei unserer Tour durch Kyoto besucht hatten, hach … ich konnte mit dem Handy sogar einige sehr schöne Aufnahmen durch die Teleskope machen. Wirklich viel mehr ging an dem Tag nicht, wir kehrten am frühen Abend heim, wo uns auch gleich die Gasteltern begrüßten.

Und da bot der Gastvater uns an, mit ihm per Taxi ins 居酒屋 (izakaya) zu fahren. Whoaaaa! Da sagte selbst Alex-chan nicht nein. Izakaya sind kleine familiäre Kneipen. Familiär nicht im Sinne von familienfreundlich, sondern mehr wie eine kleine Schenke, bei denen man oft Per Du ist. Zum Bier und härteren alkoholischen Getränken werden auch kleine Snacks und Häppchen serviert. Geführt werden diese Etablissements oft von „Mama-san“, einer generischen Bezeichnung für die gute Fee in der Kneipe, die oft alles alleine macht. Männliche Wirte gibt es natürlich auch, aber deren Bezeichnung kenne ich nicht. Wenn ihr es wisst, lasst es in den Kommentaren da! Wir wurden Mama-san kurz vorgestellt mit den Worten „Die können ein bisschen japanisch“. Ich denke, besonders für Alex war das sehr ernüchternd, obwohl sie so viel besser ist als ich. In der kleinen Kaschemme waren wir nicht die einzigen, etwa 3 weitere Männer waren noch da. Zu den Getränken gab es wie erwartet kleine Leckereien, die frisch von Mama-san zubereitet wurden. Beispielsweise Algenkraut oder Baby-Oktopus eingelegt in einer Soße, was wider meinen Erwartungen extrem lecker war. Ich hätte unseren Gastvater locker unter den Tisch gesoffen, wenn er nicht vorher schon kapitulierte, da er morgen wieder arbeiten musste. Auch Alex hat frühzeitig das Handtuch geworfen, vermutlich um sich nicht so zu blamieren wie ich mich. Sehr überraschend zückte der Gastvater dann das Portemonnaie und lud uns ein. ありがとうございました!

Wir verabschiedeten uns von Mama-san und beobachteten das Nachtleben von Gion. Und das war nicht zu verachten! Die Stadtplaner haben wirklich atemberaubendes geleistet. Gion ist sowohl am Tag als auch in der Nacht sehr schön gestaltet. Es gab einige Einrichtungen in denen Leute die Gastfreundlichkeit der Teezeremonie erfuhren. Sogar eine Geisha habe ich auf einem Foto festhalten können! Der Gastvater stolzierte wie ein Gockel durch das Stadtviertel und kurz darauf erfuhren wir auch wieso: als er noch in China lebte (wir haben es vermutet) war er Polizist. Den Beruf stelle ich mir in diesem Land ziemlich hart vor, da braucht man einfach entsprechende Präsenz. Langsam hatte der Alkohol keine Lust mehr, seine Wirkung zu entfalten und wollte nur noch aus dem Körper. Unser Gastvater führte uns in eine ihm bekannte Hostessenbar, wo die Frauen schon ungeduldig auf Kundschaft warteten. Vermutlich war es für das Business noch vergleichsweise früh. Er entschuldigte sich und sagte, dass wir nur mal auf Toilette müssten. Peinlich!! Aber was muss das muss. Wir kamen einige Zeit später erneut an dem Tempel vorbei, den wir bei unserer Ankunft in Kyoto bereits kurz besuchten. Hier schossen wir auch ein sehr schönes Abschiedsbild von uns, bevor wir wieder mit dem Taxi heim fuhren. Vielen Dank, es war ein sehr schöner Abend!!

 

 

バイバイ、

ロジャー

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