Schottland Tag 7 und 8: auf zum letzten Part!


Uns war bewusst, dass dies die letzte Nacht im Freien auf unserem Weg entlang des Great Glen Way sein wird. Lustiger weise stellten wir beim Aufstehen gegen 7.00Uhr am Morgen fest, wie chaotisch wir unser Zelt den Abend zuvor eigentlich aufgebaut hatten. Unser ewiges Gesuche nach einem passenden Schlafplatz war dem geschuldet. Dennoch war es recht amüsant zu sehen, wie alles ein wenig kreuz und quer hing. Aber nun ja, es war eben schon spät, kalt, dunkel und sehr nervenaufreibend am Vortag.

Der Grund für unser frühes Aufstehen war eine kleine Planänderung. Aus Zeitmangel entschieden wir uns, die letzte Strecke nach Inverness mit dem Bus zurückzulegen. Da wir unseren Rückflug schon gebucht hatten, wollten wir allerspätestens gegen Mitternacht in Glasgow ankommen. Zu Fuß hätten wir den Weg nach Inverness niemals an einem Tag zurücklegen können, da er ca. 20 Meilen umfasste. Also musste der Bus um 8.20Uhr her. Entlang des Loch Ness, immer gefolgt von dem bewölkten und leicht regnerischen Wetter, konnten wir einen letzten Ausblick auf diesen wunderschönen See und seine Natur werfen. Gedanken an die letzten Tage und an das Erlebte dsc_0992begleiteten mich während dieser Busfahrt. Gegen 8.45Uhr erreichten wir Inverness, Hauptstadt des schottischen Highland und gleichzeitig Anfangs- bzw. Endstation des Great Glen Way. Unser erstes Ziel war die Burg, in deren Nähe sich der letzte Meilenstein befand. Zwar hatten wir den Weg nicht vollständig zu Fuß zurückgelegt, aber musste ein Foto vor dem Stein dennoch her!

Nun war es an der Zeit, sich Inverness einmal genauer anzuschauen. Durch die Stadt, die ca. 40.000 Einwohner zählt, fließt der Fluss Ness, der der Stadt als Namensgeber dient.

dsc_0975dsc_0994
dsc_0983Bei, wie zumeist, nebligem und leicht regnerischem Wetter machten wir uns vom Schloss aus Richtung Stadtzentrum. Da unser Zug nach Glasgow erst 17.30 Uhr startete, blieb uns noch genug Zeit, sich die Stadt genauer anzuschauen. Zunächst kehrten wir in einem großen Einkaufszentrum ein und schöpften neue Kräfte beim Mittagessen. Nach unserem reichhaltigen Frühstück, das wie immer aus einem Apfel bestand, war dies auch nötig. Frisch gestärkt ging die Shopping- und Sightseeing-Tour weiter. Außerhalb des Einkaufszentrums statteten wir verschiedenen Geschäften, wie z.B. einem Whiskey- oder schottischen Textilladen Besuche ab. Die letzten Stunden bis zur Abfahrt unseres Zuges verbrachten wir damit, beim obligatorischen Tee die großartige Aussicht auf den Fluss Ness und die Stadt selbst zu genießen. Bei inzwischen 11°C Außentemperatur und dem weggezogenen Nebel zeigte sich das bunte Treiben der Stadt in all seiner Pracht.

Langsam ging es Richtung Bahnhof und damit auch Richtung Glasgow. Die Zugfahrt dauerte insgesamt 3 ½ Stunden. Wir nutzen die Zeit sehr effektiv, indem wir Schokolade und Kekse in Massen in uns reinstopften und die meiste Zeit eigentlich nur schliefen =) Zumal die einbrechende Dunkelheit eh keinen Blick mehr auf die Schönheit der schottischen Highland zuließ. Gegen 21.00Uhr begrüßte uns Glasgow mit Starkregen. Mit dem nächsten Bus ging’s zum Flughafen, den wir eine halbe Stunde später erreichten. Wir hatten es also geschafft, noch rechtzeitig anzukommen. Man konnte förmlich spüren, wie diese Ungewissheit sofort von einem fiel. Die Gedanken um das rechtzeitige Ankommen und das Finden eines geeigneten Schlafplatzes verschwanden binnen weniger Sekunden. Nachdem wir uns in einem kleinen Convenience Shop mit Essen und Trinken eindeckten, entdeckten wir eine Art kleine Kapelle. Wir konnten es uns einfach nicht nehmen lassen, unserer Blasphemie freien Lauf zu lassen. In der Mitte der Kapelle stellten wir eine Flasche Dr. Pepper (ein Erfrischungsgetränk, was nach Cola und Kirsch schmeckt) und Roger kniete nieder.

Jdsc_1010aja, wir hatten sichtlich unseren Spaß XD Allerdings glaube ich, dass uns unser schlechtes Karma schnell einholte. Angefangen damit, dass kurz vor 0.00 Uhr der Feueralarm im Flughafen losging. Wir versuchten zu dieser Zeit ein wenig Schlaf zu bekommen, was dank der immer wiederkehrenden lauten Durchsage unmöglich war. Insgesamt ging der Alarm dreimal los. Wir gaben den Versuch des Schlafens auf. War damit unser Karma wieder im reinen? Von wegen! Uns plagten plötzlich üble Bauchschmerzen. Wir vermuteten aber, dass es eher von der Vielzahl an Essen und Trinken einherging. Immerhin hatten wir die letzten Tag kaum etwas zu uns genommen. Die ganzen Süßigkeiten und das Dr. Pepper wühlten unsere Mägen wohl ziemlich durcheinander. Oder doch das schlechte Karma? Wer weiß …

Gegen 4.30 Uhr früh am nächsten Tag nahmen wir unser letztes selbstgemachtes Frühstück und selbstgemachten Tee vor dem Flughafengebäude zu uns. Um 9.15 Uhr starte unser Flieger Richtung Deutschland, wie immer mit Verspätung. Doch holten wir die Zeit bis zur Landung in Berlin Schönefeld wieder auf. Deutschen Boden betraten wir gegen 12.20 Uhr bei recht heiterem Wetter und 15 °C. Irgendwie haben sich diese Temperaturen nach den letzten Tagen so angenehm warm angefühlt. Weg war der Nebel, der kalte Wind und der viele Regen. Nach einem gepflegten Mittagessen in Berlin ging es für Roger und mich mit dem Zug Richtung Radeberg und Gräfenhainichen. Dass die Deutsche Bahn auch an diesem Tag wieder mit Verspätung (bei Roger 60 Minuten und bei mir 90 Minuten) glänzte, muss eigentlich nicht erwähnt werden. Aber ich tu es dennoch >o<

Summa summarum:

Die Tage waren extrem anstrengend und nervenaufreibend. Es war kalt, wir hatten kaum gegessen und geschlafen. Dennoch überwiegen die schönen Seiten. Wir haben eine wunderschöne Landschaft kennengelernt. Sei es die Aussicht auf Loch Ness, die vielen Berge, die die Kanäle und den See umgeben, die kleinen Farmen oder die Dörfer und Städte auf unserer Route. Uns sind zahlreiche Menschen begegnet, (egal ob Wanderer, Touristen oder Bewohner), die uns mit ihrer sehr freundlichen, hilfsbereiten und neugierigen Art den Tag versüßten. Niemals fühlten wir uns fehl am Platz. Der Great Glen Way war hervorragend gekennzeichnet. Ein Verlaufen ist so gut wie ausgeschlossen. Zwar haben wir die gesamten 74 Meilen nicht geschafft, aber darf man keinesfalls außer Acht lassen, dass dies unsere erste Wandertour war. Wir sind bzw. waren blutige Anfänger, die von nichts eine Ahnung hatten XD Dennoch durften wir für 8 Tage einen tiefen Einblick in die Schönheit Schottlands mit all seiner Natur, seinem Wetter und seinen Menschen bekommen. Die Erfahrungen, die man bekommt, wenn man eine Zeitlang ohne Warmwasser und Strom auskommen muss, sind mit nichts gleichzusetzen. Man lernt gewisse Dinge viel intensiver zu schätzen. Sei es eine warme Dusche oder ein kleines Stück Kuchen. Noch heute denke ich mit einem Grinsen daran zurück, wie wir uns nach 4 oder 5 Tagen ein Stück Schokoladenkuchen gekauft hatten und uns bestimmt 10 Minuten diesem geschmacklichen Genuss hingaben. Hervorragend! Nie hatte etwas so gut geschmeckt, wie in diesem Moment.

dsc_1041dsc_1042

Was bleibt noch zu sagen, außer: Leute, macht euch raus in die weite Welt! Geht wandern! Schnappt euch (so wie ich es getan habe) jemanden, dem ihr vollkommen vertraut und auf den ihr euch auch immer verlassen könnt. Das gemeinsam Erlebte und Erfahrene wird niemals in Vergessenheit geraten.

Liebe Grüße
Alex

 

Was kann ich da noch ergänzen, außer dass es ziemlich deprimierend war, einen Tagesmarsch mit dem Bus in gerade einmal 30 Minuten zu bewältigen. Eine Reise durch Schottland ist wirklich zu empfehlen, besonders wegen der Möglichkeit zum Wildcamping (auch wenn dies entlang der offiziellen Wanderwege nur bedingt möglich/erlaubt ist). Räumt außerdem immer schön euer Lagerplatz auf und werft nichts in die Wildnis, wir haben einige Spuren (vor allem von Deutschen) gefunden. Das macht keinen guten Eindruck, macht die Wanderung für andere unangenehm und ist doof für die Umwelt. Wir hatten wirklich tierisches Glück mit dem Wetter, aber ich empfehle wegen der Stechmücken, nicht im Sommer zu gehen. Und nehmt definitiv wasserfestes Equipment mit, das Wetter kann nicht immer so gut sein ;-). Oh ja, einen Tipp am Rande für Nicht-Naturburschen/Nicht-Naturmädels: Entlang des Weges (etwa aller 20 km) stehen überdachte Toiletten für Wanderer bereit. Diese befinden sich in einer kleinen Holzhütte und sind abgeschlossen. Den Schlüssel kann man gegen etwas Entgelt in einem Tourismus Center ausleihen. Am besten vor der Reise erkundigen, wo eines zu finden ist, sofern man darauf angewiesen ist und sich nicht Frischluft beim Geschäft um die Backen blasen lassen möchte.

Freut euch auf den nächsten Bericht von uns, denn dieses Mal ist nach 5 langen Jahren endlich wieder Japan dran! Für Fragen und Anregungen stehen euch die Kommentarfelder sowie das Kontaktformular zur Verfügung.

So long and have a safe trip,
Roger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.