Schottland Tag 2: Fort William und die Weiten des Great Glen Way


Nachdem wir nun völlig übermüdet mit schmerzverzerrtem Gesicht aufgestanden sind (denn schlafen war so gut wie unmöglich, da wir auf einem Berghang umgeben von Wald kampierten und unser ganzes Gewicht ständig auf den Beinen ruhte), kamen wir mit Gezeter und Gemecker langsam in die Gänge und jagten unser Frühstück bei: McDonalds! Ideal, um die nächtlichen Temperaturen von -2 °C abzuschütteln und sich startklar für die Wanderung zu machen. Ordentlich gestärkt haben wir die Einkaufsmöglichkeiten in Fort William besucht. Ausgerüstet mit frischen Äpfeln, Wasser und Spiritus für unseren Kocher fanden wir nach kurzem hin und her den Meilenstein, der den Anfang des Great Glen Way repräsentiert. 10:30 Uhr Ortszeit starteten wir dann am Freitag, 11. Oktober 2013 die Wanderung entlang des Great Glen Way.

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Auf gehts!

dsc_0674Bereits nach den ersten zwei Meilen wurde der erste Apfel gierig verschlungen und eine kurze Rast eingelegt, um die schöne Aussicht zu genießen. Wir kamen zu einer Siedlung namens Caol neben Fort William, die eine einladende Rasenfläche bot und mit einem guten Ausblick trumpfen konnte. Die ersten Frühaufsteher (es war bereits etwa gegen 11 Uhr) gesellten sich mit ihren Hunden auch auf die Wiese. Da die Leute dort alle verdammt freundlich sind, wurden wir auch von jedem gegrüßt. „Hi there!“ und „Lovely weather!“ flogen uns aus allen Richtungen entgegen. Auffallend war, dass der Rasen (als Wiese konnte man in Schottland fast kein Fleck bezeichnen) gepflegt wie in einem Fußballstadion aussah, überall. Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, mir ein Stück dieses wertvollen Grases mitzunehmen, aber das zusätzliche Gewicht meines ohnehin schon überladenen Rucksacks hätte mich am Weitergehen gehindert.

Nach der kurzen Stärkung folgte der Weg durch diese idyllische Siedlung, vorbei an einem Fußballfeld. Einer der Einheimischen kam uns entgegen und meinte, wir bräuchten nur rechts über die Wiese (jetzt hab ich das Wort doch verwendet, ungerechterweise) zu gehen, um eine Abkürzung zu laufen. Da wir nicht schummeln wollten haben wir uns freundlich verabschiedet und sind weiter gegangen. Glücklicherweise, sonst hätten wir die erste Schleuse in Schottland nicht gesehen.

dsc_0699Nachdem Caol hinter uns war erreichten wir mittags den Anfang eines Kanals von 6 Schleusen hintereinander. Dieser Kanal ziert auch das Titelbild der Wanderkarte, die wir mitgenommen hatten: „The Great Glen Way Fort William – Inverness“. Wir haben nicht damit gerechnet, so früh auf dieses Schleusenarray zu stoßen. Genannt wird es Neptune’s Staircase also Neptunes Treppe. Diese befindet sich zwischen der 4. und 5. Meile. Außerdem war dies ein super Ort für eine kleine Schokopause.

Ab sofort folgte der Weg einem eigenwilligen Muster: Linkskurve, Rechtskurve und vor der Rechtskurve stand immer ein einzelnes Haus auf der anderen Uferseite. So ging das mehrmals, mittendrin ist auch ein Kampfjet im Tiefflug (vielleicht 200 Meter?) über uns gedonnert. Um 14:30 nahmen wir dann unser Mittagessen zu uns: Lecker Nudeln mit Bratensoße. Om nom nom! Um 16 Uhr sind wir dann durch Gairlochy gewandert, was eigentlich nichts weiter als eine Zusammenkunft von ein paar Häusern war. Solche riesigen Orte gibt es in den Highlands häufig. Gairlochy ist zwischen der 10. und 11. Meile angesiedelt und befindet sich am Anfang des Loch Lochy.

dsc_0726Langsam wurden wir müde und die Sonne neigte sich dem Horizont zu, also suchten wir uns einen Schlafplatz. Unglücklicherweise hatten wir einen Ort erreicht, der unter Naturschutz stand und das campen verbot. Nachdem wir weiter gelaufen und in einen sehr bemoosten Wald gelangt sind haben wir uns entschieden, auf einer ebenen Anhöhe in dem Wald unser Lager aufzustellen, da wir seit längerem keine „No camping“ Schilder sahen und es nach einem sehr angenehmen Ort aussah. Sehr moosig und feucht zwar, und nahe am Loch Lochy aber dafür weich und mit geradem, flachen Boden. Wir schlugen unser Zelt gegen 17 Uhr auf und gingen etwa um 19 Uhr zu Bett (oder Schlafsack).

Tagesfazit:
Gelaufene Meilen: 12,5

Komplettierte Strecke (in Meilen): 12,5
Anderen Wanderern begegnet: 0

So viel zu Tag 2 von mir. See ya, folks!
Roger

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