Gebildet flanieren, verpeilt verlaufen


Bereits am nächsten Tag ging es weiter mit unserer Kulturtour. Auf dem Plan stand heute der Besuch des Gegenteils zum goldenen Tempel: der hölzerne silberne Tempel! Dieser befindet sich im Osten von Kyoto, anders als der goldene, welcher im Nordwesten residiert. Falls ihr von Osten kommt und mit dem Zug reist, empfiehlt es sich vorher noch den 南禅寺(Nanzenji) Tempel zu besuchen.

Dieser bietet neben schönen alten Tempeln auch ein sehr altes Aquädukt. Zudem geht von dem Tempel der „Weg des Philosophen“ ab, welcher voller Kirschbäume steht und zum Silbertempel führt. Im Tempel wurde derzeit extrem geweihrauchelt. Benebelt von dem Dampf gingen wir anschließend den „Weg des Philosophen“ bis zum Silbertempel. Auf dem Weg sahen wir allerlei interessanter kleiner Läden, Friedhöfe, Katzen und vieles mehr. Etwa auf zwei drittel der Strecke fing es an extrem heftig zu regnen. Wir flüchteten in einen solchen Laden und nahmen uns die nun zur Verfügung stehende Zeit, uns intensiv umzusehen. Als es mit Regnen aufhörte und wir weiter liefen, fanden wir auch einen kleinen Stand, der viele Essstäbchen verkaufte. Ich habe mir direkt zwei Paar Holzstäbchen für je 300 Yen gekauft. Den Weg vom Nanzenji bis zum Silbertempel zu laufen dauerte (ohne Regenunterbrechung) etwa 40 Minuten.

Schließlich sind wir am 銀閣寺 (Ginkaku-ji – Silbertempel) angelangt. Bevor uns die Sicht auf den Silbertempel gewährt wurde, mussten wir durch einen gewundenen Garten laufen. Endlich konnten wir den majestätischen Anblick des Silbertempels begutachten! Dachten wir jedenfalls, wir sind aber bereits am Ausgang angekommen. Die Holzhütte die dort stand soll der Silbertempel sein? Wir erwarteten natürlich ein voll versilbertes Gebäude, fanden jedoch nur ein Holzhaus vor. Dies war tatsächlich der Silbertempel … wenigstens haben wir ihn mal gesehen. Ob sich die 600 Yen gelohnt haben? Der Zengarten vor dem Tempel war jedoch sehr schön.

Leicht geknickt gingen wir den Weg des Philosophen zurück und nahmen dabei alle Geocaches mit, die auf der Route lagen. Auch am Nanzenji gab es einen größeren, den wir nach langer Suche dann doch noch dank Alex bergen konnten. Hooray! Auf dem weiteren Weg sahen wir ein Taiyaki-/Croissantladen der mit Matcha (Grüntee) gefüllten Croissants. Auch vielen Katzen sind wir begegnet. Alex war schon ganz genervt, dass ich ständig die Muschis fotografieren wollte.

Wir streunten anschließend etwas in der Gegend herum und trafen auf ein gigantisches Torii. でかい!!  Das riesen Torii ebnete den Weg zum 平安神宮 (Heian Schrein). Direkt vor dem Eingang wurde bereits eine Strippe gezogen und einige Türen geschlossen, da wir wirklich vier Minuten vor Eintrittsstop dort angelangten. Wir gaben auf die Autos vor der Straße keine Acht und rannten was das Zeug hält, mit derben Ninja Moves über 40 cm hohe Leine gesprungen und wie Usain Bolt durch die noch offene Tür gesprintet. Die Schreinanlage ist ebenfalls so riesig wie das Torii selbst. Zusätzlich zu den üblichen Gimmicks wie Gebetsglocken, eine Wand und einen Baum an dem man Wünsche hängen kann, oder schöne Bauten, bot der Schrein ebenfalls einen riesigen Garten. Diesen zu durchqueren soll eine Stunde dauern, da der Eintritt jedoch kostete (was völlig in Ordnung ist) und der Garten nur noch 20 Minuten offen hatte, beschlossen wir den Garten nicht zu besuchen. Wenn man schon durch einen so vielfältigen und schönen Garten gehen möchte, sollte man sich auch die Zeit nehmen, diesen zu würdigen.

Es ging zurück zu unserer Unterkunft, um den schönen Tag bei Sushi ausklingen zu lassen. Gemütlich im Zug sitzend haben wir uns mal wieder verfahren. Diesmal fuhren wir zu weit, weil wir erneut einen Express genommen hatten, der nicht bei uns hielt.

Wir fuhren durch die Berge, in einen Tunnel bis nach Ōtsu. Auch wenn wir es ganz schön fanden, nahe des Biwa-Sees gelandet zu sein, war es schlicht die falsche Zeit. Es wurde dunkel und es gab keinen Bahnsteig auf der gegenüber liegenden Seite. Wir gingen aus dem Haltepunkt raus, ohne zu bezahlen, damit wir nur für den eigentlichen Weg bezahlen mussten. Dies war aus zwei Gründen möglich: In Japan erhält man zum Bahnsteig nur mit einer Geldkarte Zugang, anschließend zahlt man bei Zügen und U-Bahnen nur beim Verlassen des Bahnhofs. Dadurch wird nur der Weg vom Start zum Ziel berechnet. Das ist besonders in Tokyo cool, wenn man mit der Yamanote-Linie die kreisförmig aufgebaut ist, immer im Kreis fahren kann, ohne viel zu bezahlen. Das ist auch gut, falls man sich mal verfährt (was bei uns sehr oft vorkam) und man wieder zurück fahren will. Zweitens waren keine Personenschranken an den Bezahlautomaten an diesem Bahnsteig. Wie kopflose Hühner sind wir hin und her gerannt, bis wir eine hilfsbereite Frau trafen, die uns sagte, dass der Bahnsteig in die andere Richtung etwas um die Kurve lag. Erleichtert fuhren wir 20 Minuten später zurück und stiegen diesmal richtig aus.

ただいま!Wir gingen nicht erst zur Unterkunft sondern brachen direkt zum Sushi auf, um die Strapazen des Tages abzuschütteln. Vorher kamen wir an einem Second Hand Shop vorbei und haben all die interessanten Dinge begutachtet. Sehr überrascht hat uns ein originaler Asahi-Kühlschrank. Asahi ist eine sehr große Getränkefirma in Japan, die Bier und Softdrinks anbietet. Heute probierten wir die eigenartigen Sushisorten, die in dem Laden angeboten wurden, von einigen waren wir echt positiv angetan.

Auf dem Rückweg gab es neben einem Kombini tatsächlich einen Automaten für „frisches“ regionales Gemüse, an dem man rund um die Ohr seine Portion Rüben oder sonstiges erwerben konnte. Zurück in unserer Unterkunft hat uns die Gastfamilie ein Geschenk hinterlassen: Erdbeeren! Nicht nur, dass sie schön aussehen, Erdbeeren sowie das meiste Obst sind in Japan ziemlich teuer. Des Weiteren habe ich in meinem Portemonnaie einen 2000 Yen Schein gefunden. Da wir die noch nie gesehen hatten, dachte ich erst mir hat jemand einen gefälschten Schein zugesteckt. Später am Abend las ich, dass dieser Schein tatsächlich recht selten ist, im Jahr 2000 zur Expo eingeführt wurde und von so ziemlich allen Automaten nicht akzeptiert wird. Alex plante unseren morgigen Trip, während ich mich mit leckerer Ramune vollstopfte. Perfekte Arbeitsteilung! 

それじゃあ、

ロジャー

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.