何で Japanese Berg?


Auf diesen Beitrag hab ich mich schon lange gefreut! Hauptsächlich wegen des Titels. Aber wenn der Titel so genial ist, dass man 5 Minuten vor lachen nicht atmen kann, tröstet das (hoffentlich) über den mageren Inhalt und dem schlechten Ausdruck hinweg. Für diejenigen unter euch, die sich weiterbilden möchten: der Titel ist eine Hommage an „Potato Jason“ auch bekannt als „WHY JAPANESE PEOPLE???!“ Mensch. Unbedingt mal bei YouTube oder anderen Videostreamplattformen ansehen!

Heute haben wir einen Ausflug in die kleine Stadt (Dorf?) 壺阪山 (tsubosakayama) gemacht. Dieses Städtchen wird beschrieben als „Kyoto von früher, als es noch nicht so überlaufen war.“ Und in der Tat, sonderlich viele Menschen haben wir im Gegensatz zu den letzten Tagen nicht gesehen. Touristen noch weniger. Kaum am Bahnhof angekommen, hat uns eine freundliche Dame direkt einen rosa Lageplan in die Hand gedrückt. Darauf eingezeichnet war eine Route für das Markenzeichen der Stadt: eine gigantische Ningyo (Porzellanpuppen) Ausstellung.

Die Besichtigungsroute beinhaltet 92 Stops, führt durch den gesamten kleinen Ort und endet bei einer Pagode. Die einzelnen Ausstellungen sind sehr interessant und auch für Uninteressierte schön anzusehen. Die Umgebung eignet sich auch gut zum gemächlichen Wandern, weswegen wir die Chance direkt nutzten und die in etwa 2 Kilometer entfernte und 500 Meter höher gelegene Burg 高取城跡 (Takatorijouseki) besuchten. Kaum aus dem Örtchen raus, führte unser Weg an vielen Sakurabäumen vorbei, die günstigerweise gerade anfingen zu blühen. Der Aufstieg führt durch ein schönes Waldgebiet, den Aufstieg haben wir uns mit „Making a Cyborg“ (einem Titel aus dem Ghost in the Shell 1 Anime Movie OST) verschönert. Mitten im Wald begegnet man beim Aufstieg auch einem Shinto-Schrein und einem buddhistischen Tempel (bspw. 宗泉寺 (Sousenji)). Der Besuch lohnt nicht nur für eine Verschnaufpause. Nach etwa einer Stunde oben angekommen freuten wir uns die Burg zu betrachten. Das Schild zeigte ein schlichtes jedoch vielstöckiges Gebäude mit mehreren Teilen. Könnten wir besser lesen, hätten wir im Vorfeld gewusst, dass das Gebäude absichtlich vor Jahren niedergebrannt wurde. Aber es hat auch nicht lange gedauert, bis wir bemerkt haben, dass dort keine Burg mehr steht. Lediglich die Grundmauern waren zum Teil noch vorhanden und bieteten einen schönen Liegeplatz zum Sonne tanken. Abgesehen von den Förstern, die mit Kletterausrüstung und Kettensäge bewaffnet gerade Bäume fällten, gab es im Wäldchen rund um die Burg noch ein merkwürdiges Klopfgeräusch. Ein roter Specht (fragt mich nicht, welcher) pickte fröhlich ein Loch in den Baum neben mir.

Die Sonne zog über uns hinweg und etwa eine Stunde später machten wir uns auf, einen zweiten Pfad zurück zu nehmen. Ich habe erwartet, dass wir in 15 Minuten wieder unten sind. Das Gelände jedoch führte uns die meiste Zeit nur am Berg entlang. So ging es rauf und runter, immer wieder. Wir kamen an einer Ansammlung von kleinen Steinstatuetten vorbei, wie man sie des öfteren auch bei shintoistischen Schreinen sieht.

Dem Namen 五百羅漢岩 (gohyakurakan) nach zu urteilen sollen sich hier 500 Statuen befinden. Nach nur einem kurzen Weg erreichten wir eine riesige buddhistische Statue. Ich greife gleich vorweg: wir konnten sie nicht erreichen. Anfangs fanden wir den Weg dorthin nicht, später war der Weg verschlossen. Wir folgten inzwischen also weiter der Straße und hatten rechts vor uns eine weitere buddhistische Anlage namens 南法華寺 (壷阪寺) (Tsubosaka-dera). Was auch nicht schwer zu erahnen war, durch die über 11 Meter hohe Statue von vorhin. Und wir hatten wirklich Glück, etwa 45 Minuten blieben uns noch, die Anlage zu erkunden, um 17 Uhr wurde geschlossen. Wie erwähnt, endet der Ningyo Pfad an Station 92: einer Pagode. Tadaaaaa! Sowohl die Pagode war hier anzutreffen, als auch weitere Puppen. Der Rückweg bot, ähnlich wie der Burgberg, eine atemberaubende Aussicht. Auch wenn eine Busroute von und zu dem letzten Tempel führte, entschieden wir uns den Abstieg zu Fuß zu begehen (pun intended). Es gab auf der Straße zwar keinen Fußweg, wir konnten den Autos dennoch gut ausweichen.

Zurück am Bahnhof konnten wir auch schon nach kurzer Zeit einen Zug zurück nach Osaka nehmen. Dieses mal waren wir ganz vorne im Zug und konnten den Zugführer bei seiner Arbeit inspizieren. Arbeit hat in Japan ganz großen Stellenwert. Mal abgesehen von den üblichen Meldungen, dass sie 48 Stunden am Tag arbeiten, keinen Urlaub nehmen und es wegen Überanstrengung zu den meisten arbeitsbedingten Selbstmorden kommt, sind sie auch sehr auf das äußere Bild, dass sie abgeben bedacht. Dies wird natürlich in erster Linie durch die Uniform deutlich. Egal ob Bus-, Taxi- oder Bahnfahrer, jeder von ihnen trägt einen Anzug, Mütze und weiße Handschuhe. Alles sehr edel. Der Zugführer hatte zudem noch eine schicke goldene Taschenuhr, die an einem extra dafür angebrachten Haken am Steuerpult des Zugs befestigt wurde.

Pünktlichkeit bei öffentlichen Verkehrsmitteln ist in Japan SEHR ERNST. Nicht nur pseudoernst wie bei uns in Deutschland (*Hust hust* Genau, Deutsche Bahn). Unser Zugführer hatte ein Ritual (um jetzt nicht Zwangsneurose schreiben zu müssen) und prüfte mit einer markanten Handbewegung und ausgestrecktem Zeigefinger jedes Mal die Zeit bei jedem Signal und Meilenstein, den wir passierten. Auf der Hälfte des Weges wurde der Zug vorne erweitert und wir konnten unserem Lieblingszugführer nicht mehr bei der Arbeit zusehen. Ein Schaffner, dessen Aufgabe mir im Zug nicht wirklich bewusst ist, da keine Tickets im Zug kontrolliert werden, ging schnell zwischen den Abteilen hin und her und verbeugte sich jedes mal, als er einen anderen Abteil betrat oder verließ.

Was also tun mit dem noch relativ jungen Abend? Erstmal was essen! Und wo kann man besser leckere Sachen futtern als beim CoCo Curryhaus 🙂 Ich muss jetzt keine großen Phrasen dreschen, um zu sagen wie lecker es war. Die Abendhygiene stand noch aus, doch die Dusche war ein absolutes no-go. Unser Gastgeber hat uns freundlicherweise den Weg zum öffentlichen Bad markiert. Endlich war es so weit! Ich ging also zum お風呂 (ofuro – öffentliches Bad), was nicht mit einem Onsen zu verwechseln ist. Letztere sind heiße Quellen, öffentliche Bäder sind diesen nur nachempfunden. Egal, Spaß macht es trotzdem! Da ich in Fukuoka für 6 Jahren schon ein Fake Spa / お風呂 besuchte, war ich der Meinung, dass ich mich auch ohne Hilfe zurechtfinden würde. Tja, als 外国人 (gaikokujin – Ausländer) vertut man sich öfter, vor allem bei Situationen die man meint zu kennen. Im Eingang waren die typischen Boxen zum Verstauen der persönlichen Gegenstände. Schuhe vorher ausziehen: check. Schuhe reingestellt: check. Rucksack und Jacke reingestopft: wird schwierig. Schlüssel zum Fach als riesiger Holzklotz gebaut: häää? Als ich mich am Ausziehen war, kam ein etwa dreizehnjähriger Jugendlicher herein und meinte dann auf Englisch, dass dort nur die Schuhe reinkommen und man seinen Rest mit rein nehmen soll. Ich fühlte mich wie ein Trottel der ich war und folgte dem Jungen im gewissen zeitlichen Abstand. Dadurch, dass man in diesem Bad auch die Schuhe abschloss, was gänzlich anders zu dem Bad in Fukuoka war, war ich so irritiert. Direkt hinter dem Vorhang wartete ein Kassierer auf mich und knöpfte mir die 300 Yen (ca 2,80€) ab. Diese waren nur für den Badebesuch, nicht für die Sauna oder sonstige Extras. Ich zog mich also aus, verschloss meine Sachen nun in einem größeren und tatsächlich dafür vorgesehenen Schrank und folgte anderen ins Badehaus. Dort wurde ich direkt von einer schön feuchten Luft mit mehreren Becken begrüßt. Rechts von mir waren Treppen, die zu dem Waschplatz führten, bei dem man sich erst vor Betritt der Becken gründlich reinigen muss. Und hier offenbarte sich der zweite Unterschied zu Fukuoka: es gab keine Waschlotionen, es wird erwartet, dass man alles selbst mitbringt. Also duschte ich mich erst nur etwas ab, wartete bis um mich herum nicht mehr so viel los war und griff mir die Seife, die scheinbar von jemandem vergessen wurde. Schließlich konnte ich mich endlich in dem Becken entspannen. Auch die neben gelegene Sauna und das Premiumbecken probierte ich aus, unwissentlich (habs vergessen/ignoriert), dass diese Räume eigentlich extra kosten. Als ich mich wieder anzog, wurde mir mein dritter Lapsus bewusst: in meiner Verwirrung habe ich Wechselklamotten vergessen. Auf dem Rückweg fand ich noch eine kleine Statue mit einer todschicken Mütze.

 

Das wars für heute! また あした!

ロジャー

 

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